{"id":114,"date":"2025-05-16T13:50:00","date_gmt":"2025-05-16T13:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktionszeitung.de\/?p=114"},"modified":"2025-05-17T13:43:36","modified_gmt":"2025-05-17T13:43:36","slug":"redebeitrag-von-tobi-rosswog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktionszeitung.de\/index.php\/2025\/05\/16\/redebeitrag-von-tobi-rosswog\/","title":{"rendered":"Redebeitrag von Tobi Rosswog"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">auf der Aktion\u00e4rsversammlung von BMW am 16.Mai 2025<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Susanne, lieber Stefan, lieber Oliver,\u2028liebe Freund*innen und Aktion\u00e4r*innen von BMW,\u2028einen wundersch\u00f6nen Tag!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hei\u00dfe Tobi Rosswog und komme aus der VerkehrsWendestadt Wolfsburg, die einigen von euch noch als Autostadt bekannt sein mag.\u2028Mit k\u00e4mpferischen Kolleg*innen vom Band und aus dem B\u00fcro haben wir in den letzten Jahren \u00fcber 100 bunte und spektakul\u00e4re Aktionen gemacht unter dem Motto \u201cVW steht f\u00fcr VerkehrsWende\u201d, um den automobilen Konsens aufzubrechen. Bisher war ich auf VW- und Porsche-Hauptversammlungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute bin ich bei BMW. Vielleicht steht das ja bald f\u00fcr Bayerische Mobilit\u00e4ts-Werke?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Lob aber kurz vorweg, bevor es unbequem wird: Wir treffen uns heute nicht virtuell. Wir kommen zusammen und der Protest von Menschen kann ganz anders wirksam sein als im Online-Raum. Und ja\u2026 Viele m\u00f6gen das zun\u00e4chst nicht nachvollziehen, aber es regt doch zur Diskussion an. Und das ist doch wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt kommt auch also eine radikale Kritik an den bestehenden Verh\u00e4ltnissen und eine Prise Utopie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beginnen wir kurz mit der \u00f6kologischen Katastrophe:<\/strong>\u2028Am 3. Mai \u2013 vor rund einer Woche \u2013 war der deutsche \u201eErd\u00fcberlastungstag\u201c. Wir haben alle unsere in Deutschland zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen bereits aufgebraucht. Damit leben wir \u00fcber unsere \u00f6kologischen Grenzen. 49 Millionen zugelassene Autos in Deutschland tragen dazu ma\u00dfgeblich bei. Und das egal welcher Antriebsart. Das System Auto ist das Problem. Jeden Tag 8-9 Tote, \u00fcber 1000 Verletzte. Allein in Deutschland. Stellten wir uns vor, ein anderes Verkehrsmittel w\u00e4re so dramatisch gef\u00e4hrlich. Es w\u00fcrde direkt verboten werden. Aber im Autoland Deutschland mit VW, Daimler und eben auch BMW nicht. Dabei hat \u00fcbrigens schon euer hochgesch\u00e4tzer Vorstandsvorsitzender das Problem auf dem Punkt gebracht, als Eberhard von Kuenheim damals sagte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cEs kann schon sein, dass es zu viele Autos gibt. Aber immer noch zu wenig BMW.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bringt den Wachstumswahn und das Problem perfekt auf den Punkt. Der motorisierte Individualverkehr ist das Problem und das System Auto eine Sackgasse. Es nimmt uns den Platz zum Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kommen wir nun zum Sozialen.<\/strong>\u2028Hier wurde heute immer wieder vom \u201cTeam BMW\u201d gesprochen. Oliver sagte sogar, dass ihm die\u2028Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig seien. Aber wenn ich mit BMW-Arbeiter*innen vom Band spreche, sagen die mir komischerweise sehr frustriert: Wir m\u00fcssen die Krise ausbaden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie fatal. Und warum?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit das Verm\u00f6gen von Susanne und Stefan noch mehr w\u00e4chst. Aktuell bel\u00e4uft es sich auf rund 50 Milliarden Euro. Aber bei den \u00dcber-Reichen ist das ja nicht ganz klar, ob es nicht doch ein paar Milli\u00e4rdchen mehr sind. Das spielt ja auch kaum eine Rolle. Denn was ist schon eine Milliarde? Diese 1000 Millionen mehr oder weniger. Aber bei den Armen ist es auf den Cent transparent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hab eine einfache Rechnung und Frage mitgebracht, die den fatalen neoliberalen Leistungsgedanken \u00e0 la \u201eDu bist Deines eigenen Gl\u00fcckes Schmied\u201c ad absurdum f\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie lange m\u00fcsstest Du zu einem Stundenlohn von 15 Euro malochen, um auf das Verm\u00f6gen von Susanne und Stefan in H\u00f6he von rund 50 Milliarden Euro kommen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">50.000.000.000 Euro (= Verm\u00f6gen) geteilt durch den Stundenlohn von 15 Euro und eine j\u00e4hrliche Arbeitszeit von durchschnittlich 1750 Stunden ergibt: <strong>1904761. Oder einfacher ausgedr\u00fcckt: 1,9 Millionen Jahre.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer jetzt noch glaubt: Du musst Dich einfach anstrengen und dann kommst Du auf das Verm\u00f6gen von Susanne und Stefan\u2026 Dem ist nicht mehr zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und eigentlich bringen es Susanne und Stefan selber auf den Punkt, als sie in einem Interview mit dem <em>Manager Magazin<\/em> 2019 den legend\u00e4ren und ehrlichen Satz sagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cViele Menschen denken, das Geld fliegt einem irgendwie zu.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke das auch nicht. Es fliegt euch nicht irgendwie zu. Da stimme ich euch zu. Denn: Es ist gestohlen. Es liegt an Ausbeutungsstrukturen und einem braunen Erbe\u2026. Es hat rein gar nichts mit diesem komischen Konzept von Leistung zu tun. Das ist Quatsch und das wissen wir alle hier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bitte euch, liebe Susanne und lieber Stefan. Bitte tretet nicht in die Fu\u00dfstapfen eures Vaters, dem Nazi-Profiteur Herbert Quandt, der hier noch gro\u00df auf der Leinwand gefeiert wurde. Komplett absurd.\u2028BMW darf in Zeiten der Militarisierung k\u00fcnftig explizit nicht f\u00fcr Bayrische Militarisierungs-Werke stehen. Denn es ist Zeit, Nein zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir brauchen f\u00fcr das Gute Leben f\u00fcr Alle eine klare Absage an den kapitalistischen Irrsinn und eine deutliche Absage an den faschistischen Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir brauchen andere Wege. Es geht nicht nur um ein bisschen weniger Autos, sondern eine ganz andere Gesellschaft, die dem Leben dient und nicht dem systematischen Leben einiger Weniger auf Kosten anderer. Und dabei sind nat\u00fcrlich nicht Susanne und Stefan allein daf\u00fcr verantwortlich. Es ist das verbrecherische System des Kapitalismus, das es zu \u00fcberwinden gilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nun konkret: Es geht also um Konversion und Vergesellschaftung. Den Umbau der Auto- zur Mobilit\u00e4tsindustrie. Das w\u00fcrde auch Besch\u00e4ftigung langfristig sichern. Und ja\u2026 Dann gibt es nicht so viele Profite. Das stimmt. Deswegen brauchen wir die Vergesellschaftung von BMW, damit wir als Gesellschaft entscheiden k\u00f6nnen, was gebraucht wird. Oder kurz: Fabriken denen, die darin arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Vorredner bem\u00fchte Goethe, um den Leistungsfetisch zu begr\u00fcnden. Dann nutze ich nun Goethe um Rosa Luxemburg zu unterstreichen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDer Irrtum wiederholt sich immerfort in der Tat. Deswegen muss man das Wahre unerm\u00fcdlich in Worten wiederholen\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosa Luxemburg fasst es so zu zusammen:\u2028<em>\u201eZu sagen was ist, bleibt die revolution\u00e4rste Tat.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch, wenn es heute f\u00fcr mich zum ersten Mal nach \u00fcber 1500 Vortr\u00e4gen vereinzelt Buh-Rufe gab, bleibt mir nichts anderes als klar zu machen: Nur, weil ihr dieses M\u00e4rchen des Kapitalismus unerm\u00fcdlich wiederholt \u2013 wahrer wird es davon nicht. Es ist eine grausame Realit\u00e4t f\u00fcr die meisten. Und deswegen d\u00fcrfen wir ihn \u00fcberwinden. Kollektiv. Gemeinsam. Solidarisch. Und ein erster Schritt ist: R\u00fcckverteilung jetzt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sehen uns beim Protest rund um die IAA in M\u00fcnchen im September, zu der ja bereits eingeladen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herzlichsten Dank!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ANMERKUNG:\u2028In der S\u00fcddeutschen Zeitung werden rund 10% des Artikels \u201cBMW beendet eine \u00c4ra \u2013 und sucht seine Zukunft\u201d den Aktivit\u00e4ten gewidmet:\u2028\u2028\u201cUnd es soll niemand sagen, dass die Autobranche nicht politisch und emotional w\u00e4re. Zwei Frauen stehen schon kurz nach Beginn der Versammlung im Mittelteil der Halle auf und schreien etwas; auf den oberen Pl\u00e4tzen der Olympiahalle und vermutlich auch vorne auf der B\u00fchne, wo Aufsichtsratschef Norbert Reithofer zur Einf\u00fchrung spricht, ist nichts davon zu verstehen. Die Frauen werden schlie\u00dflich von Sicherheitsmitarbeitern aus der Halle gebracht. Es wird nicht die einzige St\u00f6raktion bleiben, doch der Ablauf wirkt fast schon einstudiert, geradezu wohlwollend von beiden Seiten. Alles l\u00e4uft ruhig und gesittet ab, anders als bei fr\u00fcheren Veranstaltungen von Autoherstellern, als bisweilen Torten flogen und Aktivisten gegen ihren Widerstand aus der Halle gebracht wurden. Als sp\u00e4ter BMW-Chef Oliver Zipse spricht, f\u00e4ngt ein Mann in wei\u00dfem T-Shirt mit Smiley-Aufdruck an, Papierflieger zu basteln und in die vorderen Reihen zu werfen. Auch er wird nach drau\u00dfen begleitet. \u201eF\u00fcr das Klima und die Erde\u201c, ruft schlie\u00dflich ein Aktivist auf den oberen R\u00e4ngen.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auf der Aktion\u00e4rsversammlung von BMW am 16.Mai 2025 Liebe Susanne, lieber Stefan, lieber Oliver,\u2028liebe Freund*innen und Aktion\u00e4r*innen von BMW,\u2028einen wundersch\u00f6nen Tag! 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